Elektrosmog-Abschirmgeräte – Wer’s glaubt, wird selig

ÖKO-TEST März 99

Quelle: web.archive.org/web/20050816085355/http://www.carechannel.de/cgi/ot/otgp.cgi?doc=9328

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Dieser Text wurde leicht gekürzt.

Elektrosmog kann der Gesundheit schaden, warnen kritische Wissenschaftler seit geraumer Zeit. Dagegen bieten zahlreiche Firmen dubiose Schutzprodukte an und verdienen sich eine goldene Nase.

Marco muß still liegen. In einer abgeschirmten Kammer der Klinisch-Experimentellen Forschungseinrichtung der Medizinischen Universität Lübeck ist er von den Einflüssen der Außenwelt abgeschirmt. Die Augen hält der junge Mann geschlossen, schlafen darf er jedoch nicht. Sein Kopf ist verkabelt. Mit fünf Elektroden werden Marcos Gehirnströme gemessen und die Daten in einen Computer eingespeist. Gleichzeitig zeichnet ein Schreibgerät den Verlauf der Gehirnströme auf Endlospapier. Neben Marco liegt ein Handy, von dem er nicht weiß, ob es sendet oder nicht.

Und da ist noch etwas: Ein goldglänzendes Metallscheibchen mit einem Loch in der Mitte klebt auf dem Funktelefon. Nahe der Antenne plaziert mache dieser Handy Protector den Elektrosmog für den Menschen biologisch verträglich, behauptet die Firma IQ-Energie-Systeme. Ihr Motto: »Mobil telefonieren und gesund bleiben«. Die Produkte seien mit »natürlichen Frequenzen aufgeladen, die die digitale und schädliche Frequenz des Handys für den Körper nicht erkennbar machen«, verspricht der Beipackzettel.

ÖKO-TEST wollte wissen, was an solchen dubiosen Versprechen überhaupt dran ist und hat deshalb den Medizinphysiker Dr.Lebrecht von Klitzing mit einem Test beauftragt. Anhand der oben beschriebenen goldglänzenden Metallscheibe haben wir beispielhaft untersucht, ob sich damit tatsächlich »Elektrosmog biologisch verträglich« machen läßt. Das Ergebnis: Durch das eingeschaltete Handy wurden die Gehirnströme von vier der insgesamt fünf Versuchspersonen, die Dr. von Klitzing testete, verändert. Dabei war es gleichgültig, ob die pfenniggroße Unterlegscheibe im Spiel war oder nicht. Der Handy Protector hatte keine Schutzwirkung.
Insgesamt haben wir 22 Produkte eingekauft, die irgendwie gegen Elektrosmog helfen sollen. Überwiegend werden sie per Versand angeboten. Zwei Geräte, eine Handytasche und eine Abschirmung für Handyantennen, sollen den Elektrosmog physikalisch abschirmen. Die Anbieter der meisten anderen Produkte versprechen dagegen, Elektrosmog biologisch verträglich machen zu können. Dabei hört sich eine Wirkungsweise abenteuerlicher an als die andere.

So soll man den Terracos-Master Mini – eine abgeschnittene, etwa ein Zentimeter hohe ehemalige Plastik-Filmdose, die ein paar Gramm Sand, Steinchen oder Schmutz sowie ein Stückchen Tonband enthält – auf sein Handy kleben. Damit werden angeblich die »intensiven Strahlen gebändigt« – und das für satte 80 Mark.
Der Evdan-Regulator kostet gleich 438 Mark. Dieses Holzgehäuse enthält Glasröhren mit durchsichtigen und bunten Kügelchen und soll möglichst nahe am oder im Stromverteilerkasten plaziert werden – zur »Reduzierung feinster, den Menschen belastenden Oberwellen von Elektro-Mikrowellensmog«.

Dem sogenannten IT-Stecker muß man erst eine »Information aufprägen«, bevor man ihn in die Steckdose steckt. Dann soll das Teil »bio-positive Wirk-Energien« von sich geben und gesundheitliche Gefahren, die von Elektrosmog drohen, vermindern. Im Grunde ist dieser IT-Stecker nichts anderes als ein handelsüblicher Feuchtraumstecker. Er besteht innen aus zwei kurzen Drahtstückchen, befestigt an den Schrauben des Steckers, zwei kurzen grauen Plastikstäbchen und zwei Klecksen Heißkleber. Das Ganze gibt’s für 178 Mark.
Unabhängig davon, was die Anbieter versprechen, hat der Neusser Baubiologe Wolfgang Maes zunächst alle Geräte physikalisch geprüft: Er hat gemessen, ob ein Produkt in der Lage ist, Elektrosmog abzuschirmen oder ob es sogar selbst Elektrosmog erzeugt. Darüber hinaus haben wir die Firmen aufgefordert, uns Gutachten, Studien oder ähnliches zu schicken, womit sich die von ihnen gemachten Werbeversprechungen belegen lassen. Der Lübecker Medizinphysiker und Elektrosmog-Experte Dr. Lebrecht von Klitzing hat für uns diese Gutachten, Stellungnahmen und Werbeprospekte wissenschaftlich ausgewertet.

Das haben wir herausgefunden
Zwei Geräte sind tatsächlich in der Lage, Elektrosmog zu reduzieren. Die Protector-Handytasche von PTR ist als einzige »empfehlenswert«. Sie hielt die Antennenstrahlung eines Handys bis zu 99 Prozent vom Kopf des Benutzers fern. »Eingeschränkt empfehlenswert« ist der Handyschutz von Cepo. Mit dieser Halbmanschette für die Handyantenne erreichten wir eine bis zu 80prozentige Abschirmung.
Für drei Geräte haben die Anbieter Gutachten vorgelegt, die nach der Einschätzung von Dr. von Klitzing eine biologische Wirkung zumindest theoretisch als denkbar erscheinen lassen. Wissenschaftlich bewiesen ist sie damit allerdings noch lange nicht. Eine Abschirmung war bei diesen Produkten nicht nachweisbar. Sie wurde aber von den Anbietern auch nicht versprochen. Wir haben diese Geräte deshalb als »weniger empfehlenswert« eingestuft.

15 Produkte sind »nicht empfehlenswert«, weil die Werbeaussagen überhaupt nicht belegt wurden. Eine Abschirmwirkung war zudem in keinem Fall nachweisbar oder versprochen worden.
Zwei weitere Geräte verursachen selbst Elektrosmog, anstatt ihn abzuschirmen und sind deshalb »nicht empfehlenswert«.

Elektrosmog wird von niederfrequenten elektrischen und magnetischen Feldern sowie hochfrequenten elektromagnetischen Wellen verursacht. Funktelefone arbeiten mit Mikrowellen, die beim D- und E-Netz mit 217 und bei schnurlosen DECT-Telefonen mit 100 Hertz gepulst sind. Das heißt, die Funkwellen gehen 217 oder 100 mal in der Sekunde an und aus. Ein elektrisches Wechselfeld entsteht, sobald zum Beispiel eine Lampe mit dem Stromnetz verbunden wird. Schaltet man sie ein, fließt Strom, und ein magnetisches Wechselfeld kommt hinzu.
Welche gesundheitsschädlichen Auswirkungen diese Wellen und Felder haben, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Die einen warnen vor großen Gefahren wie Hirntumoren oder Beeinträchtigungen des Immunsystems. Andere halten diese Warnungen für überzogen.

Gepulste Strahlung bringt außerdem die Hirnströme durcheinander. Das läßt sich mit dem EEG nachweisen – was es allerdings gesundheitlich bedeutet, ist noch unklar. Dr. Lebrecht von Klitzing beobachtete solche Veränderungen schon bei 0,1 Mikrowatt pro Quadratzentimeter (µW/Quadratzentimeter). Die Strahlungsstärke von Handys liegt sogar in 30 Zentimetern Entfernung noch bis zu zehntausendfach über diesem Wert.

Diese Zahlen relativieren leider auch die Erfolge unserer beiden Testsieger. Denn trotz der 99prozentigen Abschirmung der Protector-Handytasche können immer noch bis zu 10 µW/Quadratzentimeter Strahlung den Kopf treffen – beim Cepo-Handyschutz sogar bis zu 200µW/Quadratzentimeter. Hinzu kommt, daß wir unsere Werte in 30 Zentimetern Abstand vom Handy gemessen haben. Was im sogenannten Nahfeld direkt am Kopf passiert, ist bis heute nicht einmal meßbar, gibt Dr. von Klitzing zu bedenken.

Die Anbieter der meisten anderen Produkte machen sich über solche Fragen offensichtlich keine großen Gedanken. Sie behaupten einfach, den Elektrosmog biologisch verträglich machen zu können. Der RayMaster SP 1, eines der am meisten umworbenen Geräte, besteht aus fünf Glasröhren und zwei Drahtspulen in einem Kunststoffgehäuse von der Größe einer Zigarettenschachtel. Er bewirke eine »physikalische Neutralisation der krankmachenden Anteile elektromagnetischer Felder« und schütze den Körper so vor Elektrosmog. Das Beweisverfahren von RayMaster beruht unter anderem auf Hautwiderstandsmessungen an Akupunkturpunkten.

»Mit solchen Studien werden vermutlich nur Placebowirkungen belegt, die auch bei ganz gewöhnlichen Arzneimitteln auftreten«, erklärt Dr. von Klitzing. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen könnten durchschnittlich »70 Prozent aller Patienten durch Placebos zufriedenstellend therapiert oder sogar geheilt werden«, schreibt die Ärztin Dr. Gunver Sophia Kienle vom Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie in der Deutschen Apotheker Zeitung. Das heißt: Man muß nur fest daran glauben, dann hilft’s schon, indem beispielsweise die körpereigenen Abwehrkräfte ein wenig aktiviert werden.
Auch die Firma Tecno AO hat uns mehrere Studien vorgelegt, die eine biologische Wirksamkeit ihrer beiden Bioschutz-Antennen im Tierversuch und am Menschen belegen sollen. Dr. von Klitzings Fazit: »Die Werbeaussagen sind trotz der wissenschaftlich anzuerkennenden Belege bei dem derzeitigen Kenntnisstand nicht nachvollziehbar.« Ein reiner Placebo-Effekt ist also nicht auszuschließen. Der Lübecker Medizinphysiker hält Geräte wie den RayMaster und die Bioschutz-Antennen für problematisch, weil sie dazu verführen, sich Elektrosmog ungeschützt auszusetzen.

Auf Elektronik gesetzt hat die Firma Medical Magnetic bei der Entwicklung ihres Electro-Smog Neutralizers, der am Körper getragen werden soll. Er strahlt magnetische Felder der Frequenz 7,83 Hertz aus. Eine natürliche Strahlung zwischen Erdatmosphäre und Ionosphäre hat die gleiche Frequenz. Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde NASA haben festgestellt, daß sie Astronauten hilft, Streß abzubauen.
Während die natürliche Strahlung jedoch auf den ganzen Menschen wirkt und tageszeitlich schwankt, wird hier der Körper mit der hundertmillionenfachen Stärke bombardiert – und das auch noch gepulst. Das Gerät verursacht hundert mal mehr Elektrosmog, als die schwedische TCO-Norm für strahlungsarme Computerbildschirme zuläßt, anstatt ihn zu neutralisieren.

Ähnliches gilt für die Solti-Salzkristallampe von Vogelflug, die von einem Reformhaus in Frankfurt am Main pauschal »gegen Elektrosmog« angeboten wurde. Sie sorge für eine Zufuhr von negativen Ionen in die Raumluft, die durch Elektrosmog verlorengehen. Das tat sie nicht. Im Gegenteil: Selbst im ausgeschalteten Zustand verursachte die Leuchte, gefertigt aus einem großen, bernsteinfarbenem Salzkristall, eine Feldstärke von 150 Volt pro Meter (V/m). Im Vergleich dazu läßt die TCO-Norm nur 10 V/m zu.

Autor: Peter Hermes

Kommentar gabielachipsy-Team:

Was den Gabriel-Chip betrifft, könnte man nun sagen „tja, der ist aber doch erst später entwickelt worden, und fällt somit aus dieser Wertung raus.“ Ne, nicht wirklich, denn das letzte Patent (AT 409 930 B) wurde erst am 19.04.1999 angemeldet, d.h. ca. einen Monat nach dem ÖKO-TEST! Und was ist – auf die Patente bezogen – an dem Gabriel-Chip so innovativ und einzigartig, dass man davon ausgehen kann, er hätte diesen Test mit Bravour bestanden? Und was ist – auf die Patente bezogen – an dem Gabriel-Chip so innovativ und einzigartig, dass die Gabriel-Tech in ihren „Rechtlichen Hinweisen“ dennoch darauf verweisen muss, dass „weder das Wirkprinzip, noch die Herstellungstechnologie noch eine positive Wirkung auf das gesundheitliche Wohlbefinden […] allgemein wissenschaftlich anerkannt“ sind? „Dasselbe gilt für die der GabrielAqua-Technologie.“ Dasselbe gilt für das „Messverfahren im Dual-Feld und deren Verrechnung“.

Das ÖKO-TEST Magazin 4/2004 beschäftigte sich ausführlicher mit dem Gabriel-Chip. Diesen Test werden wir in Bälde zur Verfügung stellen.

das gabrielachipsy-Team

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